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Florence Roth

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Einführungstext-Skizze (Objekte)

...Einführende Worte....

Bei dieses laienhaften und teilweise fahrenden und umherziehenden Heilern und Arzneimitteländlern handelte es sich um eine äusserst heterogene Gruppe: Im Gegensatz zu den akademischen Ärzten und den zunftmässigen Bader-Chirurgen haben die fahrenden oder laienhaften Heiler weder klar definierte Ausbildungsgänge, berufliche Aufgabenfelder noch eine klar definiert gesellschaftliche Standesposition. Ausbildung und Kenntnisstand sind somit unterschiedlich und die angewandten Methoden und die dahinter stehenden gedanklichen Konzepte sind so vielfältig, dass kaum allgemeine Aussagen über die Anwenderinnen und Anwender der ?Volksmedizin? getroffen werden können. Ein bedeutender Vetreter dieser bunt zusammen gewürfelten Gruppe von Figuren auf dem frühen Gesundheitsmarkt war der Schweizer Kurarzt Michel Schüppach. Seine Tätigkeit stand in der Tradition der ?Bader? bzw. Schärers, die jedoch auch als Wundärzte oder Chirurgen angesprochen wurden. In seiner Praxis in Langnau (BE) behandelte er Amputationen, führte Operationen aus bei Frakturen und Eingeweidebrüchen an Brüsten und Lippen, bei Lippenspalte und Star. Seine Heilverfahren umfassten Kräutermedizin, Diätvorschriften und Bäder. Seine Praxis war Treffpunkt von Persönlichkeiten aus aller Welt: Johann Wolfgang von Goethe oder Johann Kaspar Lavater liessen sich von ihm behandeln.

Der Gebrauch von Heilkunde kann im 16. und 17. Jahrhundert als ?ständisch gestuft? bezeichnet werden. Das heisst, wer in irgendeiner Weise an Herrschaft beteiligt war (Hofadel, Höhere Geistlichkeit und wohlhabendes Stadtbürgertum), konnte sich von den wenigen vorhandenen akademisch gebildeten Hof- und Stadtärzten, deren Honorare natürlich auch die höchsten waren, behandeln lassen. Das mittlere Bürgertum und die Handwerksmeister wandten sich je nach finanziellen Möglichkeiten ebenfalls an die akademischen Ärzten. Ansonsten suchten sie bei Wundärzten und Landbader Hilfe. Diese waren hauptsächlich für äussere Behandlungen zuständig, boten aber auch innere medizinische Behandlungen an. Diese inneren Behandlungen waren aber ab anfangs des achtzehnten Jahrhunderts den akademisch ausgebildeten Ärzten vorbehalten, und so führten die Wundheiler und Landbader diese bis zu ihrem Verschwinden Ende des 18. Jahrhunderts (????) illegal aus. Bild vom Landarzt. Die Unterschichten, welche gut zwei Drittel der Bevölkerung ausmachten, wandten sich so lange sie es finanziell oder sonst wie vermochten ebenfalls an die Landbader und Handwerkschirurgen. Andernfalls waren sie auf den heilkundlichen Erfahrungsschatz der Schäfer, Schmiede und fahrenden Heilern angewiesen. Besonders wichtig war auch das gesammelte Wissen, welches durch Familienmitglieder und in Dorfgemeinschaften von Generation zu Generation überliefert wurde.

Diese ?Selbstbehandlung? und die Behandlung durch Laien wie Kräuterkundige oder Hebammen waren nicht weniger effizient in ihrer Wirkung als die Methoden der offiziellen Ärzte. Vielmehr war diese Art der Volksmedizin in ihrer Heilsamkeit der akademisch angelegten/ausgerichteten Medizin oftmals überlegen: so waren die praktisch angelernten Heilerinnen und Heiler mindestens so hilfreich in der effektiven Praxis wie die eher theoretisch ausgerichteten Akademiker. Obwohl sich ab dem 18. Jahrhundert durch die zunehmende Institutionalisierung der Medizin zwei ?medikale Kulturen? , nämlich die Volksmedizin und die Schulmedizin oder auch die wissenschaftliche Medizin und die traditionellen Heilsysteme, gegenüberstanden, wurden vielfach nach wie vor dieselben Heilmittel verwendet. Beispielsweise Theriak, allen voran dessen berühmtester Vertreter: der ?venedische Theriak?. Dieser verdankt seine universelle Wirksamkeit nebst diversen pflanzlichen Zutaten auch der Beigabe von Vipernfleisch. Dieses umständlich hergestellte Allerheilsmittel konnten sich in erster Linie nur Reiche leisten, ärmere Menschen wichen auf günstiger hergestellter oder ganz einfach ?unfreiwillig- auf gefälschten Theriak aus.

Zitat aus Alpenbuch Figuren der Volksmedizin

Topic revision: r2 - 2007-10-30 - FlorenceRoth
 
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